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Fusionsreaktor
Fusionsreaktor
(30. Juni 2005) Zu der Entscheidung, den Fusionsforschungsreaktor ITER in Frankreich zu bauen, erklärt Hans-Josef Fell, forschungspolitischer Sprecher:
Frankreich erhält die Geldvernichtungsmaschine und Kernfusionsforschungsanlage ITER. Es handelt sich hier um ein Projekt mit der absehbar schlechtesten Mitteleffizienz. Das heißt: Nirgendwo wird man für so viele Forschungsmittel sowenig für unsere Zukunft beitragen. Arbeitsplätze außerhalb der Anlage - Fehlanzeige. Schaffung neuer Unternehmen - Fehlanzeige. Lösung der Energieprobleme - vielleicht ein Beitrag nach 2050, falls überhaupt.
Mit 10 Milliarden Forschungsmitteln könnte man zum Beispiel bei der Solar, oder Windenergie, der Bioenergie oder der Erdwärme schon in wenigen Jahren große technologische Sprünge herbeiführen, in Europa Millionen von Arbeitsplätzen schaffen und unsere Energieprobleme schon jetzt lösen. Stattdessen wird das Geld in den südfranzösischen Sand und in das Prinzip Hoffnung gesetzt.
Hätten doch wenigstens die Japaner den Standort erhalten, dann wären es zum großen Teil Yen gewesen, die durch das Fusionsfeuer gehen. Jetzt müssen vor allem die europäischen Steuerzahler für eine der größten Fehlinvestitionen unserer Zeit ihre Geldbeutel hinhalten.
Es ist eine kleine Ironie, dass der Kernfusionsreaktor gerade in dem Land gebaut werden soll, dessen Präsident sich auf EU-Ebene am stärksten für Subventionen in die Vergangenheit einsetzt und lieber bei der Forschung als der Landwirtschaft kürzt. Jetzt soll auch noch ein großer Teil der verbleibenden Zukunftsmittel fehlinvestiert werden.
Die Entscheidung für ITER und für den Standort in Frankreich ist auch ein Rückschlag für die Lissabonstrategie, die Europa zu dem wettbewerbsfähigsten Raum der Erde machen möchte. Wenn knappe Forschungsgelder in Prestigeobjekten versenkt.


