Inhalt

News zum Thema Atomstrom

Atomgegner stellen sich quer

Die größte Demonstration gegen Atomkraft im April war ein voller Erfolg: 146.000 Menschen protestierten auf der bislang größten Veranstaltung gegen Atomkraft in Deutschland gegen die Pläne der Regierung, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern.
Ein Bericht von Kerstin Schnatz.

25_Schnatz

Kerstin Schnatz - Campaignerin bei Campact e. V.

(26. Juni 2010) Ein wahrlich historischer Tag war der 24. April 2010 für die Anti-Atom-Bewegung: Nur zwei Tage bevor sich der Tschernobyl-Jahrestag zum 24. Mal jährte, gingen 146.000 Menschen für den Atomausstieg auf die Straße. Das sind dreimal so viele Demonstrantinnen und Demonstranten wie bei der Großdemonstration für den Atomausstieg in Berlin im vergangenen September und die bislang größte Demonstration gegen Atomkraft in der Geschichte der Bundesrepublik.

24_AKW1

Foto: Kai Löffelbein, Christian Mang

120.000 Menschen reihten sich bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen in die über 120 Kilometer lange Aktions- und Menschenkette in Norddeutschland ein. Die Anti-Atom-Kette verlief zwischen den derzeit wegen mehrfacher Pannen seit über zwei Jahren stillstehenden Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel. Auf dieser Strecke passierte die Kette auch den E.on-Meiler Brokdorf.

Anti-Atom-Kette

Über 230 Busse und drei Sonderzüge aus dem ganzen Bundesgebiet waren angereist, um die Anti-Atom-Kette zu ermöglichen. Gemeinsam mit Menschen aus Hamburg und Schleswig-Holstein standen die Angereisten teils sogar in mehreren Reihen, etwa in der Hamburger Innenstadt oder an den Landungsbrücken. Auch in den Außenbezirken der Stadt wurden mehrreihige Kettenschlüsse beobachtet.

Zwischen dem AKW Brunsbüttel, dem AKW Brokdorf und dem kleinen Ort Glückstadt stand die Kette lückenlos entlang der Elbe. Tausende bevölkerten die kleine Stadt Geesthacht neben dem AKW Krümmel, zu dem ein Trecker-Treck aus dem Wendland angereist war.

Die Meldungen aus den Hubschraubern bestätigen, dass die Kette überall ziemlich geschlossen aussah.

Sinkende Akzeptanz

Nach einer repräsentativen Umfrage von TNS-Emnid im Auftrag von Greenpeace wollen 67 Prozent der Deutschen den gesetzlich verankerten Atomausstieg oder sogar ein früheres Aus für Atomkraftwerke. Das sind vier Prozent mehr als bei der gleichen Umfrage im September 2009.

Es wurden 1.001 Menschen im Bundesgebiet und 519 in Nordrhein-Westfalen befragt.

Doch damit nicht genug: An gleich zwei weiteren Orten in der Republik demonstrierten Atomkraftgegner für den Ausstieg aus der Kernkraft: Am Atommüllzwischenlager in Ahaus in Nordrhein-Westfalen gingen 6.000 Menschen auf die Straße. Und 20.000 Demonstranten umzingelten das Atomkraftwerk im süd-hessischen Biblis mit einer Menschenkette.

24_AKW2

Foto: Kai Löffelbein, Christian Mang

Warnsignal an die Regierung

Der Erfolg dieses Tages sollte der schwarz-gelben Regierung ein Warnsignal sein. Dort glaubt man immer noch, man könnte die Laufzeiten der Atomkraftwerke einfach so verlängern. Doch nicht mit uns: Die Menschen werden sich den Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht gefallen lassen! Die Anti-Atom-Bewegung ist wieder da - bunter und vielfältiger als jemals zuvor. Wir brauchen keine gefährlichen Atomkraftwerke - unsere Zukunft gehört den erneuerbaren Energien!

Kampagne im Internet: www.ausgestrahlt.de

Protestmail an Ihren Bundestagsabgeordneten: www.campact.de

Stimmen von Teilnehmern

„Es war eine super gute Veranstaltung gegen die Atomlobby. Ich hoffe, dass noch viele folgen werden. Mit über 65 Prozent lehnt die Mehrheit der Deutschen die Verlängerung der KW-Laufzeiten ab. Wir müssen uns zusammenschließen für einen Politikwechsel! Nehmen wir die demokratischen Mittel, die wir haben, in die Hand, und kämpfen gegen die Willkür der Profitinteressen einiger weniger! Machen wir uns unabhängig von den Konzernen! Die Gemeinden können ein Gesamtkonzept entwickeln, sich selbst mit Energie zu versorgen, die dort gewonnen wird, wo sie verbraucht wird: dezentral und erneuerbar! Ziehen wir den Konzernen den Boden unter den Füßen weg! Dezentral, erneuerbar und unabhängig. Die Technik ist da! Wir müssen sie nur einsetzen und benutzen."


„Ich kriege absolut Gänsehaut, wenn ich mir jetzt die Bilder der Kette ansehe, und bin stolz, dabei gewesen zu sein! Wir lassen uns nicht unterkriegen."


„Als Streckenposten und verantwortlicher Ordner haben ich und das Streckenposten-Team vor Ort alles gegeben, um die Strecke an die Nachbarposten anzuschließen. Die Stimmung war absolut hervorragend und als "Streckenläufer" auf Rollen konnte ich diese auf ganzer (verantwortlicher) Länge aufnehmen."


„Aus meiner Sicht ist die Aktion als gelungen anzusehen und damit als "Neueinstieg" in die Anti-Atom-Bewegung und für erneuerbare Energien, sowie den Erhalt der Arbeitsplätze von Energie produzierenden Kollegen und Kolleginnen zu werten. Ein weiteres Zusammenstehen und ein Wachsen der Gegner von Atom und Befürworter von erneuerbaren Energien wird zwangsläufig ein Umsinnen in den höchsten politischen Ebenen erzeugen. Dem Koordinatorenteam, den Abschnittsverantwortlichen, den Ordnern und Helfern an den Streckenposten meinen Dank ... 'an uns kam/kommt niemand vorbei'! Aus dem breiten Bündnis ist deutlich zu entnehmen, dass ein soziales Engagement in Deutschland zunehmend möglich ist - und sein wird."

Atomkraft

Verzerrter Wettbewerb weiter lesen

Studie: Kernkraft macht Strom nicht billiger

So ein Gutachten im Auftrag der LichtBlick AG, Hamburg weiter lesen

Laufzeitverlängerung verzerrt Wettbewerb

In einem Gutachten hat sich der ehemalige Chef des Bundeskartellamt, Ulf Böge, kritisch zur Laufzeitverlängerung geäußert weiter lesen

Laufzeitverlängerung nicht rechtens

Gutachten der Umwelthilfe weiter lesen

Archiv News zu Atomstrom

Archiv2-web

Weitere Artikel zu diesem Thema finden Sie in unserem Archiv:

2009 2008 2006/2007 2005 2004




nach oben