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Renovieren

 

Der Altbau wird zum "Niedrig-Energie-Haus"

 
Der Energieverbrauch von Gebäuden macht knapp 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der Bundesrepublik aus. Selbst neuere Gebäude verschwenden riesige Energiemengen: Ein gut gedämmtes Haus verbraucht nahezu nur ein Zehntel des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen Gebäudes. Die wärmetechnische Sanierung wird durch besonders günstige Darlehen auch staatlich gefördert. Der derzeitige und künftige zu erwartende Anstieg der Energiepreise erhöht die Wirtschaftlichkeit weiter. Die wärmetechnische Sanierung wird oft versäumt, weil Grundlagenwissen und Erfahrungen auf diesem Gebiet fehlen.

Altbausanierung bringt Gewinn

Eine Studie des Passivhaus-Instituts zeigt, daß sich fast alle Energieeinsparmaßnahmen im Baubestand schon bei heutigen Energiepreisen rentieren. Nur die Außenwanddämmung und der Fenstertausch ausschließlich aus energetischen Gründen sind noch unrentabel. Im Zusammenhang mit einer baulichen Sanierung rentieren sich selbst diese beiden Maßnahmen bereits heute.

Die Studie "Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen ausgewählter Energiesparmaßnahmen im Gebäudebestand" kann als Fachinformation des Passivhaus-Instituts (PHI-1998/3) bezogen werden: Passivhaus-Institut, Dr. Wolfgang Feist, Rheinstraße 44/46, 64283 Darmstadt, Tel. 06151/826990, Fax 06151/8269911.

 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Passivhaus-Institut damit beauftragt, die Wirtschaftlichkeit ausgewählter Energiesparmaßnahmen im Gebäudebestand zu untersuchen. Die Ergebnisse dürften viele Hausbesitzer überraschen.

Als Messlatte für die Wirtschaftlichkeit dient in der Studie der "Preis für die Kilowattstunde Einsparenergie". Denn indirekt wirkt die Effizienzverbesserung wie eine Energiequelle. Liegt dieser Preis höher als die Brennstoffkosten, dann ist die Einsparung wirtschaftlicher als das Heizen. Die Brennstoffkosten liegen derzeit bei zehn bis zwölf Pfennig je Kilowattstunde. Die Gesamtkosten einer Maßnahme werden auf die jährlichen realen Kapitalkosten umgerechnet.

Besonders günstig ist eine Energiesparmaßnahme, wenn das betreffende Bauteil ohnehin erneuert wird (gekoppelte Maßnahme), weil ein Großteil der Kosten dann nicht dem Energiesparen zuzurechnen sind. Solche Maßnahmen sind, so zeigt die Studie, stets wirtschaftlich rentabel. Wird eine Energiesparmaßnahme durchgeführt, bevor eine Sanierung fällig ist (ungekoppelte Maßnahme), dann erhöhen sich die Kosten. Die Außenwanddämmung und Fenstererneuerung sind dann nicht mehr wirtschaftlich, aber alle anderen Maßnahmen sehr wohl.


Wärmedämmung von Außenwänden von außen
  • 1 Ungekoppelte Maßnahme: Wärmedämmverbundsystem (WDVS) an Außenwand anbringen.
  • 1* Ohnehin-Maßnahme: Bei fälligem Neuverputz wird WDVS angebracht.

Typischer Fall:

Das Aufbringen eines zehn Zentimeter starken Polystyrol-WDVS auf 24 cm Hohlziegelmauerwerk verbessert den Wärmedämm-Kennwert k von 1,4 W/(qmK) auf 0,3 W/(qmK). Die Investitionskosten betragen bei einem ohnehin fälligen Neuverputz mit 40 DM/qm nur knapp ein Viertel der ungekoppelten Maßnahme. Die eingesparte Kilowattstunde kostet 2,6 Pf/kWh.

Wärmedämmung im geneigten Dach
  • Ungekoppelte Maßnahme:
  • 2A Zwischensparrendämmung von oben
  • 2B Zwischensparrendämmung von unten
  • 2C Untersparrendämmung
  • Ohnehin-Maßnahme:
  • 2A* Zwischensparrendämmung von oben
  • 2B* Zwischensparrendämmung von unten

Typischer Fall (2A/2A*):

Das Einbringen von Dämmstoff mit einer Stärke von 10 cm zwischen den Sparren von oben verbessert den k-Wert von 1,6 W/(qmK) auf 0,4 W/(qmK) und kostet 90 DM/qm. Die Kosten pro eingesparter kWh betragen 5,2 Pf. Wird die Dachhaut ohnehin erneuert, so betragen die Investitionskosten nur 35 DM/qm und die Maßnahme ist mit Einsparkosten von 2,0 Pf/kWh sehr rentabel. Der Fall 2B/2B* verhält sich sehr ähnlich. Die Untersparrendämmung (2C) rentiert sich bereits als Einzelmaßnahme.

Wärmedämmung der obersten Geschoßdecke
  • 3A Dämmung von oben, begehbar
  • 3B Dämmung von oben, nicht begehbar
  • 3C Dämmung von unten

Typischer Fall:

Die begehbare 10 cm starke Dämmung von oben aus auf dem unbeheizten Spitzboden oder Dachgeschoß verbessert den k-Wert von 1,3 W/(qmK) auf 0,3 W/(qmK) und kostet 52 DM/qm. Die eingesparte kWh kostet 3,8 Pf. Die nicht begehbar ausgeführte Dämmung kostet weniger als die Hälfte und amortisiert sich mit 1,6 Pf/kWh schneller. Die Dämmung der Decke von unten liegt mit 47 DM/qm und 2,6 Pf/kWh dazwischen.

Wärmedämmung von Kellerdecken von unten

Typischer Fall:

Eine acht Zentimeter starke Dämmung unter der Kellerdecke verbessert den k-Wert von 1,3 W/(qmK) auf 0,4 W/(qmK) und kostet 25 DM/qm. Die eingesparte kWh kostet 3,7 Pf.

Verbesserung des Wärmeschutzes von Fenstern
  • 5A Auswechseln der Fenster, Einfachverglasung zu zwei-Scheiben-Isolierverglasung
  • 5B Auswechseln der Fenster, Einfachverglasung zu zwei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung
  • 5C Einbau von zwei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung in bestehenden Fensterrahmen



Beim Austausch eines einfach verglasten Fensters mit k=5,2 W/(qmK) durch ein Fenster mit Zweischeibenisolierverglasung k=2,8 W/(qmK) sind Investitionskosten von 405 DM/qm aufzuwenden. Die eingesparte kWh kommt auf 14,4 Pf. Dagegen kostet die Wärmeschutzverglasung mit 410 DM/qm kaum mehr, spart aber viel mehr ein: 9,6 Pf/kWh. Im Falle einer Ohnehin-Erneuerung der Fenster sind die Mehrkosten für die qualitativ hochwertige Wärmeschutzverglasung gegenüber normaler Isolierverglasung gering. Dann lohnt sich der Mehraufwand auf jeden Fall. Der Austausch einer Einfachverglasung durch eine Zweischeiben-Wärmeschutzverglasung in einem bestehenden Rahmen kostet ca. 205 DM/qm. Der Preis je eingesparter Kilowattstunde beträgt sechs Pfennig. Der Austausch gegen gewöhnliche Isolierverglasung ist mit 9 Pf/kWh weniger rentabel.

Nachträgliche Dämmung von Rohrleitungen

Typischer Fall:

Die 20 mm starke Dämmung eines Heizungsrohrs verbessert den Wärmeverlustwert von 0,77 W/(K) auf 0,23 W/(K) und kostet 18 DM/m. Die eingesparte kWh kostet 3,7 Pf. Wirtschaftlich rentabel ist die Dämmung von Rohrleitungen für Heizrohre im Keller und Dachabseite und für Warmwasserrohre im Keller, Dachabseite und im Wohnraum.

Erneuerung von Wärmeerzeugern
  • 7A Austausch eines vor 1979 gebauten Kessels mit vier Jahren Restnutzungsdauer durch einen Niedertemperatur-Kessel
  • 7B Austausch eines vor 1979 gebauten Kessels mit vier Jahren Restnutzungsdauer durch einen Brennwert-Kessel
Der Sieger ist ?

Wie das Diagramm oben zeigt, ist die kostengünstigste Maßnahme die Dämmung der obersten Geschoßdecke von oben, sofern sie nicht begehbar sein muß. Ähnlich geringe Kosten erreicht die Dachdämmung als gekoppelte Maßnahme, wenn die Dachhaut oder Innenverkleidung ohnehin erneuert werden muß. Diese Reihenfolge variiert von Altbau zu Altbau je nach den vorliegenden Verhältnissen vor dem Maßnahmenbeginn. Obwohl die Studie aus dem Jahre 1998 datiert und die Baupreise sich seitdem geändert haben, sind die Ergebnisse auch heute noch gültig.

Hilfe sinnvoll

Eigenheimbesitzer wollen wissen, welche Maßnahmen am wenigsten kosten und die größte Energiekostenersparnis bringen. Um das beurteilen zu können, sollte ein Fachmann zu Rate gezogen werden. Die Berater im Vor-Ort-Beratungsprogramm des Bundesamts für Wirtschaft sind dafür ausgebildet. Zuschüsse für die Energieberatung gibt es vom Bundesamt für Wirtschaft (BAW), aber auch von einigen Bundesländern. Trotz offensichtlicher Wirtschaftlichkeit werden viele Einsparmaßnahmen versäumt, selbst wenn ohnehin Sanierungen anstehen. Neben wirtschaftlichen Faktoren spielen andere Faktoren offensichtlich eine große Rolle, wie Informationsdefizite und Motivationsmängel: Einsparen ist nicht "trendy", nicht "Mega-in". Hier müssen künftige Kampagnen ansetzen.

Modernisierungsratgeber schon erschienen

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